Glas


Die Technik des Glasblasens enstammt  dem vorderen Orient. Wann genau diese Technik  erfunden wurde, läßt sich nicht eindeutig klären, zumindest stammen die ältesten Funde von Hohlglas aus ägypt. Gräbern um 1500 v. Chr.
Um die Zeitenwende setzte im Röm. Reich durch die Einführung der Glasmacherpfeife eine umfangreiche Glasproduktion ein (Hohl- und Flachglas, Mosaiksteine).
Die Rheinlande wurden und blieben  im Verlauf der Jahrhunderte ein Zentrum  der Glasherstellung, dort wurden die
merowingerzeitlichen und karolingischen Gläser nach den römischen Vorbildern weiterentwickelt und kamen als Luxus-Handelsgut nach Skandinavien.
Glasgefäße waren nur höhergestellten sozialen Schichten vorbehalten, da man  in nur  sehr reich ausgestatteten Gräbern Glasbruchstücke/Gläser fand. 

Neunzehn vollständig erhaltene Gläser ergrub man in Birka, insgesamt 50 Hohlgläser und zahlr. Scherben, aus denen sich 7 Typen von Gläsern klassifizieren ließen.
Von den 45 Gräbern, in denen man Gläser fand, waren 25 Frauengräber, 2 Doppelgräber, 5 Männergräber.

aus Arwidson: Birka II:1, Systematische Analysen der Gräberfunde
Die Grafik zeigt die in Birka gefundenen Glasformen, eingeteilt in Typen von 1-6: Typ 1: 
trichterförmig, einfarbig und unverziert
Typ 2:
Bauchige Becher

einfarbig mit aufgelegten Glasfäden
Typ 3: 
zwei- und mehrfarbig, mit Reticellastäben 
Typ 4:
Kleine Becherl, farblos, Mündungsstreifen violettes Glas
Typ 5: 
dunkelgrünes Glas mit knopfförmigen Blasen verziert
Typ 6:
Zylindrischer Becher, sehr dünnwandig und farblos
Typ 7:
Zylindrischer Becher , farblos, mit blattähnlichen , eingeschliffenen Motiven
Trichtergläser
Sie gelten als typische Glasformen der Wikinger- und Karolingerzeit und leiten sich von den merowingerzeitl. Spitzbechern ab.
In der Mehrheit werden sie auf das 9.-10. Jh. datiert .
Da die Gläser keinen Standboden haben, wurden sie vermutlich zügig geleert.
Einen Standring zum Abstellen der Gläser konnte  archäologisch bisher nicht nachgewiesen werden.

Außer zum Trinken wurden diese Gläser auch als Lampen eingesetzt.
In der Ausstellung  'Die Welt von Byzanz' in der Archäologischen Staatssammlung München (22.10.2004) - (03.04.2005)  konnte man einen Radleuchter bewundern, der kaskadenförmig zahlreiche Trichtergläser mit  Dochten  Kirchen im großen Stil beleuchtete.  

Novemberbild aus dem
Martyriologium des Wandalbert, um 900 

Trichtergläser in Birka
8 vollständig erhaltene Trichtergläser wurden in Birka gefunden
(Grab 577, 526,551,850,854,464,849,493).
Die Gläser weisen alle kleine  Bläschern auf und sind entweder einfarbig
oder mit einem dunkelblauem Randstreifen verziert.

 Replika eines sog.Trichterglas. Birka / Grab 577 , Typ 1

Birka, Grab 526

Bild-© SHM-Statens Historiska Museet Stockholm  

Glas mit Reticella-Verzierung / einfachen Glasfäden
Hohlgläser und v.a. Schalen mit dieser Art Verzierung sind seit der röm. Kaiserzeit geläufig und haben ihre Tradition als Handelsgut in Skandinavien.
Reticella-Verzierungen sind  meist zwei oder mehr verschiedenfarbige Glasfäden, die im zähflüssigen Zustand miteinander verdreht und nach dem Auskühlen auf das Glas aufgeschmolzen werden (Zuckerstangenoptik, nach B. Muigg).
Eine Schale mit gelben Reticella-Verzeirung wurde z.B. im Bootsgrab 6 in Välsgarde gefunden (Mitte 8.Jh.) und  in Helgö (Mitte 6.-8.Jh.), der Vorgängersiedlung von Birka, wurden Glasfragmente mit solcher Art Verzierung gefunden.

Die Fadenauflagen waren meist in der Farbe des Trägerglases, aber auch mehrfarbig, gelbe, blaue, grüne oder weiße Fäden sind nachgewiesen.

Bild-© SHM-Statens Historiska Museet Stockholm  
Grab 539,750,649
Typ 2, Bauchige Becher mit einfachen Glasauflagen  
Birka Grab 649
Typ 3, Becher mit  Reticella-Verzierung

Traubenbecher
Diese Becher werden  in die Zeit um 800 (Haithabu) bzw. 9.Jh. (Birka, Grab 539) datiert und sind im Fundmaterial von Birka und Haithabu einzigartig.
Kennzeichnend für diese Gläser sind die Verzierungen aus dicht aneinandergereihten runden Buckeln in der unteren Hälfte und erinnern an die heutigen "Granini"-Flaschen.

Diese Glasform soll  auf spätantike Traubenkannen und -becher zurückgehen und haben ihren Ursprung im östlichen
 Mittelmeerraum.





Replik
Typ 5 Birka, Grab 539
Typ 7
Ein weiteres Unikum stellt der Glasbecher aus Grab 542 dar.
Dieser Becher hat blattähnliche eingeschliffene  Linien und Konturen, die an Motive östlicher Gürtelbeschläge erinnern.
Carl J. Lamm untersuchte in den 30er Jahren persisches Glas und vermutete, daß es sich um arabisches Glas aus dem Irak handelt.










Bild-© SHM-Statens Historiska Museet Stockholm
Typ 7, Birka, Grab 542
 
 
 
Literatur:
Arwidson: Birka II:1, Systematische Analysen der Gräberfunde
Steppuhn: Die Glasfunde von Haithabu
Wedepohl: Glas in Antike und Mittelalter
799-Kunst und Kultur der Karolingerzeit