Wenn's mal dunkel wird...zur Beleuchtung

Die wichtigste Lichtquelle war seit jeher das Feuer, das neben seiner Funktion als Licht- und Wärmequelle natürlich auch der Essenszubereitung diente, ergänzend zum Herdfeuer verwendete  man Talglampen und Talg- oder Wachskerzen.

Als mobile Leuchtmittel dürften vornehmlich Fackeln und Kienspäne benutzt worden sein, wobei es für beide  bisher keinen archäologischen Nachweise gibt.
Ergänzend zum Herdfeuer verwendete  man Talglampen und Kerzen.

Kerzen

Kerzen war schon bei den Römern (1.Jh) in Gebrauch und dienten dann in der Spätantike  hauptsächlich im liturgischen Bereich. Erst ab dem 13.Jh kommt sie  im adligen privaten Bereich verstärkt auf. 
Kerzen können aus verschiedenen Materialien hergestellt werden, die Wahl des Brennstoff  bestimmte den Preis.
Am teuersten war Bienenwachs und wurde v.a. im kirchlichen Bereich eingesetzt. Im häuslichen Bereich war
Unschlitt (ungereinigtes Fett) am  billligsten,  durch  Ausschmelzen der Verunreinigungen (Blut- und Gewebreste) erhält man Talg (ausgelassenes Fett), dessen Brennleistung besser  und v.a. Geruchsentwicklung deutlich angenehmer ist .

Die ältesten archäologischen Nachweise von Wachskerzen in Skandinavien
fand man  in Dänemark ( Mammen und Jelling) und datieren auf  Ende des 10. Jh. Diesen Kerzen werden jedoch eher Verwendung im liturgischen Bereich zugesprochen, da das Grab christliche Symbole enhält und die Christianisierung Dänmarks in diesen Zeitraum fällt.
Funde von Wachskerzen fand man für den gleich Zeitraum in Norwegen und Gnezdowo, jedoch wird in der leider geht Radtke hierauf nicht weiter ein.
In den Birka-Gräbern und auf Gotland sind aus dem 10. Jh. keine Funde unseres Wissens diesbezüglich vorhanden.


Schalenlampen

Tonschalen  werden mit Brennmaterial z.B. Öl, Tran, Talg(ausgelassenes Fett) befüllt und mit einem oder mehreren Dochten  bestückt, Funde hierzu gibtes  aus York, Haithabu, London (s.u.), in Skandinavien fand man auch Schalen aus Speckstein (Lund , Trondheim).
Als Brennstoff diente wohl ausgelassenes Fett oder Tran.
Eiserne Schalenlampen mit  langen  Bodenstiel fand man im reich ausgestatteten Oseberg-Grab (1. Hälfte 9. Jh.)
Im Prinzip könnte jede flache, feuerfeste Schale, die man mit Docht und Brennmaterial ausrüstet als Lampe genutzt worden sein.


Schalenlampe
nach Vorlagen aus York und London

 

aus The Archeaology of York: The Pottery
aus The Archaeology of York: The Pottery
Coppergate, York, Anfang 10. Jh.
2 Hängelampen, 1 Schalenlampe
Die Aufhängevorrichtung ist leider nicht erhalten, gleiche Funktion erfüllten vermutlich auch die Trichterbecher .


Lampe, London, 10.Jh.
Bildquelle: http://72.rapidforum.com/topic=103586832697&search=lampe







aus Hübener: Die Keramik von Haithabu
Haithabu,  sog. Fußschalen
datiert auf Anfang 10. Jh. werden als Lampen interpretiert


aus Wikinger,Warärger, Normannen, S.268
Oseberg-Grab
 Schalenlampe mit Bodenspieß

Höhe 86, Schalendurchmesser 16 cm

   

 
Wechssler-Kümmel: Lampen, Leuchter und Laternen, Abb. 2



Kienspanhängeleuchter,
H, 80, B 25 cm, ohne Datierung
"Feuerkorb" Mästermyr, Gotland  um 1000,
50 x 50 cm


Feuerkörbe/Kienspankörbe
Der Mastermyr-Feuerrost  wird bei Thälin-Bergmann auch als Lichtquelle gedeutet, da man  in einer Schmiede in  Lau, Gotland zu Beginn des 20. Jh. einen ähnlich gefertigten Eisenrost inventarisierte. Dort diente erlt. Thälin-Bergmann, herabhängend von der Decke, als Lichtquelle, indem man Feuerscheite auf den Rost legte.

Verblüffende Ähnlichkeiten bietet der Kienspankorb aus dem Österr.
Museum für Volkskunde(linke Abb.), leider ohne Datierung. Jedoch fehlt beim Mastermyr-Korb der Ascheauffang.

Inweit der Korb als Beleuchtung nun zum Einsatz kam, bleibt ungewiß.


"Visby-Laterne" 
                 
Laterne mit Schweinsblase                                             Maciejowski-Bibel, um 1240

              
Lampen ähnlicher Art sind  erstmals in der sog.Maciejowski-Bibel, auch Kreuzfahrerbibel abgebildet, die  um das Jahr 1240 in Auftrag gegeben wurde.
Unklar ist, ob es sich dabei um Rohaut/Pergament oder dünne Hornplatten handelt. 

Im Gegensatz zu den "Kreuzfahrer"-Lampen ist die  Belegbarkeit für die sog. "Visby-Laterne" für das Früh-und Hochmittelalter nicht nachgewiesen.
Vorläufer für die  "Kreuzfahrer-Lampe" im Frühmittelalter dürfte es  vermutlich gegeben haben, es bleibt spekulativ,  wie diese  Lampen ausgesehen haben könnten,
Aufgrund des  organischen Materials ist es nahezu unmöglich archäologische Belege zu finden.




Wechssler-Kümmel: Lampen, Leuchter und Laternen, Abb. 5
Vorläufer bzw. ähnliche Modelle der "Kreuzfahrer"-Lampen  sind zumindest für die Antike belegt.
Die linke Abb. zeigt stammt aus dem 1. Jh. Fundort Constantine/Algerien.

Im Boden und am oberen Reif sind  Nut und Klemmfedern angebracht zum Halten der Horn-oder Glasscheiben, in der Mitte befindet sich der Ölbehälter mit Docht.










 
 
http://www.archlsa.de/lightkultur/light2001/expo5-10schalenlampen
Radtke: Zur Beleuchtung im Mittelalter in Matz/Mehl: Vom Kienspan zum Laserstrahl
Elmshäuser: Kerze, Lexikon des Mittelalters
Wechssler-Kümmel: Lampen, Leuchter und Laternen
Thälin-Bergmann: Der wikingerzeitliche Werkzeugkasten vom Mästermy auf Gotland
Wikinger, Waräger, Normannen: Die Skandinaveir und Eruopa  800-1200